Hunde brauchen keine Kohlenhydrate — eine gut zusammengestellte BARF-Ration deckt den Energiebedarf vollständig über Protein und Fett. Die gängigen BARF-Methoden bieten zwei Varianten: ganz ohne Getreide (80 % tierisch, 20 % pflanzlich) oder mit 12 % Getreide (70 % tierisch, 30 % pflanzlich). Aber Achtung: Prozente allein sagen nichts darüber aus, ob die Ration tatsächlich alle Nährstoffe abdeckt — das geht nur über eine Berechnung auf Nährstoffebene.
Sind Hunde Carnivoren? Was die Wissenschaft sagt
Hunde sind keine obligaten Carnivoren wie Katzen — aber auch keine Omnivoren wie Menschen. Evolutionär liegen sie dazwischen: fleischfressende Tiere, die im Laufe von Tausenden Jahren Domestizierung eine gewisse Fähigkeit zur Stärkeverdauung entwickelt haben.
Der genetische Beleg dafür: Haushunde tragen deutlich mehr Kopien des AMY2B-Gens als Wölfe. Dieses Gen kodiert für die Pankreasamylase — ein Enzym, das Stärke aufspaltet. Eine genomische Studie von Axelsson et al. (Nature, 2013, doi:10.1038/nature11837) zeigte, dass diese Genvermehrung ein direktes Resultat der Domestizierung ist — Hunde haben sich an eine stärkereichere Ernährung neben dem Menschen angepasst.
Was das im Alltag bedeutet: Hunde können Stärke verarbeiten, aber mit zwei wichtigen Einschränkungen:
- Sie haben keine Speichelamylase — Stärkeverdauung beginnt erst im Dünndarm, nicht schon im Maul.
- Rohe Stärke aus ungekochtem Getreide oder rohen Kartoffeln ist für Hunde weitgehend unverdaulich — erst die Hitze (Verkleisterung) macht sie für die Pankreasamylase zugänglich.
Schlussfolgerung: Hunde können Kohlenhydrate verwerten — brauchen sie aber nicht. Ob du sie fütterst, hängt von Methode, Hund und Ziel ab.
Kohlenhydrate in der BARF-Ration: Wann ja, wann nein?
Die Frage ist nicht „KH grundsätzlich ja oder nein?“ — sondern welches Ziel du mit der Ration verfolgst und wie dein Hund KH verträgt. Die folgende Übersicht hilft bei der Entscheidung:
| Situation | Kohlenhydrate sinnvoll? | Empfehlung |
|---|---|---|
| Gesunder, normalgewichtiger Hund | Nicht nötig | Standardvariante ohne Getreide (80/20) reicht vollständig aus |
| Sehr aktiver Arbeitshund, hoher Energiebedarf | Kann sinnvoll sein | Gekochter Reis oder Hirse bis ca. 10 % der Ration |
| Schonkost (Magen-Darm-Problem, vorübergehend) | Ja — kurzfristig | Gut gekochter weißer Reis als Basis, bis 20 % der Schonkost-Ration |
| Übergewichtiger Hund | Nein | KH erhöhen Kaloriendichte unnötig — weglassen |
| Hund mit Diabetes | Nein | Stärkereiche KH vermeiden — Ration mit dem Tierarzt abstimmen |
BARF ohne Getreide vs. mit Getreide — die zwei Varianten
Im deutschen BARF-Raum arbeiten die meisten Halter mit einer von zwei Varianten — egal ob nach der Wolf-Methode (Nadine Wolf) oder der Simon-Methode (Swanie Simon), denn beide Bücher bieten dieselbe Aufteilung an:
- Ohne Getreide (80/20): 80 % tierisch (Muskelfleisch, Pansen, Innereien, Knochen), 20 % pflanzlich (Gemüse und Obst). Kein Getreide, keine stärkereichen Zutaten.
- Mit Getreide (70/30): 70 % tierisch, 30 % pflanzlich — davon 12 % gekochtes Getreide, 12 % Gemüse und 6 % Obst.
Beide Varianten sind ein brauchbarer Ausgangspunkt — aber nicht mehr. Denn 80/20 oder 70/30 sind reine Gewichtsverhältnisse. Sie sagen nichts darüber aus, ob die Ration tatsächlich genug Calcium, Phosphor, Zink, Jod oder Vitamin D liefert. Zwei Rationen mit identischer 80/20-Aufteilung können völlig unterschiedliche Nährstoffprofile haben — je nachdem, welche Fleischsorten, Knochen und Gemüse konkret drin sind.
Deshalb reicht es nicht, nur Prozente zu berechnen. Wer sicher sein will, dass die Ration vollständig ist, muss die tatsächlichen Nährstoffe auf Zutatenbasis prüfen — gegen die FEDIAF-Richtwerte.
Konkretes Beispiel: 25-kg-Hund, ca. 500 g Tagesration
| Ohne Getreide (80/20) | Mit Getreide (12 %) | |
|---|---|---|
| Getreideanteil | 0 g | 60 g gekochter Reis |
| KH daraus (ca.) | 0 g | 17 g (Reis liefert 28 g KH/100 g) |
| Restliche Ration | 500 g (Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse) | 440 g (Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse) |
| Was sich ändert | Voller Proteinanteil aus tierischen Quellen | 60 g weniger Fleisch/Knochen — Protein- und Fettbedarf muss in 440 g gedeckt werden |
Dieses Beispiel zeigt: Schon 12 % Getreide in der Ration bedeuten 60 g weniger tierische Zutaten. Und weniger tierische Zutaten heißt: weniger Protein, weniger Fett, weniger Calcium aus Knochen. Die verbleibenden 440 g müssen das komplett ausgleichen — nicht nur prozentual, sondern auf Nährstoffebene. Wie viel Calcium, Phosphor, Zink oder Vitamin D tatsächlich in der Ration stecken, hängt von den konkreten Zutaten ab, nicht vom 70/30-Verhältnis.
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Welche Kohlenhydratquellen eignen sich beim BARFen?
Wer die Getreide-Variante (70/30) wählt oder seinen Hund gelegentlich mit Kohlenhydraten ergänzen möchte, hat eine überschaubare Auswahl sinnvoller Quellen. Die folgende Tabelle zeigt Gesamtkohlenhydrate pro 100 g in der jeweils angegebenen Form (Näherungswerte laut USDA FoodData Central SR Legacy):
| Quelle | KH gesamt (ca.) | BARF-geeignet | Hinweis zur Zubereitung |
|---|---|---|---|
| Weißer Reis (gekocht) | 28 g/100 g | Ja | Immer gekocht; leicht verdaulich, wenig Phytinsäure |
| Hirse (gekocht) | 23 g/100 g | Ja | Glutenfrei; immer gekocht |
| Buchweizen (gekocht) | 20 g/100 g | Ja | Glutenfrei; gespült und gekocht |
| Quinoa (gekocht) | 21 g/100 g | Ja — mit Hinweis | Vor dem Kochen gründlich spülen — Saponine können Magen-Darm reizen |
| Süßkartoffel (gegart) | 18 g/100 g | Wenig | Nur gegart; roh nicht füttern |
| Kartoffel (gegart) | 20 g/100 g | Nein — nicht empfohlen | Roh giftig (Solanin); auch gegart kein Vorteil gegenüber Reis oder Hirse |
| Haferflocken (trocken) | 66 g/100 g | Bedingt | Vor dem Füttern einweichen oder kochen; Phytinsäure beachten |
| Mais (gekocht) | 21 g/100 g | Bedingt | Ungünstiges Omega-6:Omega-3-Verhältnis; selten einsetzen |
Grundregel: Getreide immer kochen. Rohes Getreide ist für Hunde kaum verdaulich — erst das Garen (Verkleisterung der Stärkekörner) macht es für die Pankreasamylase des Hundes zugänglich. Ungekochtes Getreide in der Ration liefert kaum Energie und kann Verdauungsprobleme verursachen.
Stärke im Gemüse: Was BARFer wissen müssen
Gemüse ist im BARF kein Kohlenhydratlieferant — jedenfalls nicht in relevantem Ausmaß. Typische BARF-Gemüsesorten enthalten wenig verwertbare Stärke:
- Zucchini: unter 1 g KH aus Stärke pro 100 g
- Karotte: ca. 1,5 g Stärke pro 100 g
- Kürbis: ca. 3–4 g Stärke pro 100 g
- Brokkoli: unter 1 g Stärke pro 100 g
Zum Vergleich: Eine rohe Kartoffel enthält ca. 14–15 g Stärke pro 100 g — zehnmal mehr als Zucchini. Wer Gemüse in der BARF-Ration einsetzt, füttert daher in der Praxis wenig Stärke.
Was beim Gemüse aber dennoch zählt: Hunde können Zellulose nicht aufschließen. Gemüse muss beim BARF immer zerkleinert, püriert oder leicht gedämpft gefüttert werden — sonst passiert ein Großteil der Nährstoffe den Verdauungstrakt ungenutzt. Welches Gemüse sich besonders eignet, welches giftig ist und welche Mengen sinnvoll sind, erklärt der Artikel BARF Gemüse für Hunde: Erlaubt-Liste und Mengen ausführlich.

Methode auswählen und Ration berechnen
Ob du Kohlenhydrate in der Ration haben möchtest oder nicht: Entscheidend ist am Ende nicht das Verhältnis 80/20 oder 70/30, sondern ob die Ration auf Nährstoffebene vollständig ist. Calcium, Phosphor, Zink, Kupfer, Jod, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren — all das muss für deinen Hund individuell stimmen, abhängig von Körpergewicht, Aktivität und Lebensphase.
Wer nur Prozente verteilt, kann trotzdem Lücken haben. Unser Rechner geht einen Schritt weiter: Er berechnet die tatsächlichen Nährstoffe auf Basis deiner konkreten Zutaten — und gleicht sie mit den FEDIAF-Richtwerten 2024 ab.
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FAQ — Kohlenhydrate beim BARF
Braucht mein Hund beim BARFen Kohlenhydrate?
Nein. Kohlenhydrate sind kein essenzieller Nährstoff für Hunde. Eine Ration aus Muskelfleisch, Rohknochen und Innereien deckt den Energiebedarf vollständig über Proteine und Fette. Die gängigen BARF-Methoden bieten beide eine getreidefreie Variante (80/20), die vollständig ohne Kohlenhydrate funktioniert. KH können eingesetzt werden, sind aber kein Muss. Wichtiger als die Frage „KH ja oder nein“ ist, ob die Ration auf Nährstoffebene vollständig ist.
Was sind gute Kohlenhydrate für den Hund beim BARFen?
Die am besten verträglichen Quellen sind: gut gekochter weißer Reis (leicht verdaulich, wenig Phytinsäure), glutenfreie Alternativen wie Hirse und Buchweizen sowie Quinoa (gespült und gekocht). Alle Getreidequellen müssen immer gegart werden — rohe Stärke ist für Hunde weitgehend unverdaulich.
Wie viel Kohlenhydrate braucht ein Hund am Tag?
Keinen definierten Tagesbedarf — Hunde haben keine Mindestanforderung für Kohlenhydrate. Wer die Getreide-Variante (70/30) wählt, setzt 12 % der Gesamtration als Getreide ein. Bei einem 30-kg-Hund mit ca. 600 g Tagesration entspricht das 72 g gekochtem Getreide. Die getreidefreie Variante (80/20) kommt komplett ohne aus.
Kann ich meinen Hund ohne Kohlenhydrate füttern?
Ja — vollständig. Die getreidefreie Variante (80/20) besteht aus Fleisch, Knochen, Innereien und stärkearmem Gemüse — ohne jede KH-Quelle. Viele Hunde kommen damit sehr gut zurecht. Entscheidend ist nicht die Prozentregel an sich, sondern ob Protein, Fett, Calcium, Phosphor und alle weiteren Nährstoffe die FEDIAF-Richtwerte erfüllen — das lässt sich nur auf Zutatenbasis berechnen.
Ist Reis oder Kartoffel besser für Hunde beim BARFen?
Gekochter Reis ist deutlich besser geeignet als Kartoffel. Weißer Reis ist leicht verdaulich, hat wenig Phytinsäure und wird gut vertragen. Kartoffeln enthalten roh Solanin und sind damit ungekocht giftig. Auch gekochte Kartoffeln sind im BARF-Kontext nicht ideal — sie bieten gegenüber Reis oder Hirse keinen ernährungsphysiologischen Vorteil.
Muss Getreide beim BARFen immer gekocht sein?
Ja, unbedingt. Rohe Stärke in Getreide ist für Hunde kaum verdaulich — die Pankreasamylase kann rohe Stärkekörner nur schlecht aufschließen. Erst das Kochen (Verkleisterung) macht Stärke für den Hund verwertbar. Ungekochtes Getreide führt zu Verdauungsproblemen und liefert praktisch keine nutzbare Energie.